Ritchys Tagebuch

Ritchys Tagebuch
Ritchy schreibt aus Afrika

Gemeinschaftszentrum Nouadhibou

19. August 2012

Hallo Interessierte!  😉

 

Nachdem ich nun einige Tage in Nouakchott verbracht habe, dann auch mal Kontakt mit der Polizei hatte, aber nur maginal, bin ich mit Jerome sowie zwei Gästen, den einen Gast kannte ich noch aus der Zeit von 2007, nach Nouadhibou, meiner alten Wirkungsstätte, aufgebrochen. Ich war voller freudiger Erwartungen; welche Menschen sind noch dort die ich aus der Vergangenheit kenne, sind mir die Erinnerungen an die Räumlichkeiten präsent, werde erkannt, wie werde ich mich fühlen, vorallem aber, wie hat sich das Gemeinschaftscentrum auf das Leben der Menschen dort ausgewirkt?

 

Mein Kommen war bekannt, einige Leute aus der Vergangenheit hatten sich eingefunden; gefreut habe ich mich sehr über das Erscheinen von Parfait. Parfait war vor 5 Jahren unser Bauvorarbeiter und wir waren echt froh darüber. Auch ´Balla Musa´ war gekommen; hat mich sehr gefreut. Leider war er am zweiten Abend nicht dabei, als ich die Mitstreiter von vor fünf Jahren zum Essen eingeladen habe; schade!!

 

 

Nachdem die ersten Kontakte erneuert waren, durfte ich in das Zimmer des Bischofs einziehen, also in das Zimmer, in dem der Bischof während seiner Aufenthalte in Nouadhibou wohnt.

Wenn Ihr mal den Schriftzug auf dem Duschvorhang lest; ist was exklusives, stammt aus dem Steigenberger. Wie er dorthin gekommen ist, ist eine andere Frage.

Das WC befindet sich ausserhalb des Zimmers.

 

Das ist nun das Gemeinschaftszentrum mit gelber Farbe versehen.

So sieht also das Gemeinschaftszentrum heute von Aussen aus; die Farbe verleiht dem Gebäude einen einladenden und freundlichen Eindruck. Aber wartet mal ab wie es Drinnen aussieht; fantastisch!

Hier ist der Eingangsbereich mit der ´Vorzimmerdame´ Greg, die beiden anderen Fotos zeigen den Raum vom Verwalter des Zentrums.

 

Hier die öffentl. Bücherei.

Zu meiner Zeit gab es schon eine Bücherei, diese war aber leider der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Wie Ihr seht, ist gerade eine junge Dame dabei sich zwei Bücher zu leihen. Hier sieht man zwei Fortschritte: einmal, dass es eine Bücherei gibt, die der Öffentlichkeit zugänglich ist und zum Zweiten, dass diese Möglichkeit auch angenommen wird; phantastisch. Es zeigt doch auch, dass sich die Menschen trauen solche Räume aufsuchen, dieses Angebot auch wahrnehmen.

 

Hier die Krankenstation.

In der Krankenstation sind allerlei Dinge für die medizinische Versorgung zu finden. Vor fünf Jahren gab es eine solche Station nicht, die Menschen waren auf sich allein gestellt und hatten keinerlei Unterstützung, sei es in ´fachfraulicher´ Unterstützung wie jetzt durch eine Schwester aus Indien, oder Medikamenten oder einfach nur Verbandsmaterial. Heute gibt es einen kleinen Grundstock an Medikamenten, Verbandsmaterial, Brillen, die schon getragen wurden und Babynahrung; ein echter Fortschritt, echt super!!!

 

Aber nicht nur am Rechner wird unterrichtet, auch in zwei Klassenzimmern wird Unterricht abgehalten.

Hier der Computer-Raum. Hier befinden sich ca. 11 Rechnerplätze, an denen den Interessierten das 1 x 1 am Rechner beigebracht. Ich habe dem Unterricht beigewohnt und ich kann sagen, dass der Lehrer sehr angagiert war, genauso wie seine Schüler voller Elan dabei waren neues Wissen in sich aufzunehmen; echt schön zu sehen, wie wissbegierig die Menschen sind.

Ich möchte sagen, dass die Initiatoren dieses Gemeinschaftszentrums etwas tolles geschaffen haben; ehrlich wundervoll!

 

 

Hier seht Ihr die Küche. Ich war gerade dabei, als im Backkurs gezeigt wird, wie man Croissants mit und ohne Schokolade backt, spannend. Ich muße natürlich meinen schlauen Senf dabei geben  😉

 

Die eigentliche Halle habe ich noch gar nicht gezeigt; dann will ich das mal machen.

In der Halle finden verschiedenste Veranstaltungen statt.

So wird dort gemeinsam Fußball auf einer Großbildleinwand zur Europameisterschaft geschaut, Musik wird gemacht, Judo-Unterricht wird gegeben, Messen werden gegeben, wenn die Kirche zu klein ist für die Vielzahl von Gläubigen, diverse Versammlungen werden abgehalten und und und; aber seht selbst:

 

Am zweiten Abend haben wir dann Celine in ihrem Lokal getroffen; Mensch war das eine Freude!!! Celine war seinerzeit die Köchin in der Mission; eine tolle Frau! Mittlerweile arbeitet sie nicht mehr in der Mission, sondern hat mit ihren Geschwistern ein kleines Lokal eröffnet; klein aber fein! Wir haben dort gegessen und getrunken; alles war vorzüglich! Es ist schön zu sehen, was sich in fünf Jahren getan hat, wie sich die Menschen weiterentwickelt haben, zu welchen Selbstverständnis sie gekommen sind, wie sie sich gefestigt in iherer Person mit dem ´neuen´Stand in der Gesellschaft geben; prima!!!

. . . da ist er wieder der drohende Finger 😉

 

Ja, das war er, mein letzter Abend in Nouadhibou.

Am anderern Morgen habe ich dann kurz vor der eigentl. Abfahrt nach Nouakchott vom zweiten Prister erfahren, dass er nun doch nicht nach Nouadhibou fährt; echt dumm gelaufen. So mussten Jerome und ich noch eine Mitfahrgelegenheit organiesieren. Leider haben an diesem Tag die Busse gestreigt mit denen ich gerne gefahren wäre, so dass ich mich mal wieder in ein Taxi eingekauft habe, soll heißen, ich habe für mich zwei Plätze gekauft, habe dafür insgesamt 8.000 Ouguiya bezahlt, ca. 24€, und durfte dann allein auf dem Vordersitz Platz nehmen; normaler Weise sitzen hier zwei Personen. Muß man sich mal vorstellen; da fährt man 500km durch die Wüste, es ist knalle heiß und muß sich einen Platz mit zwei Personen teilen; dort ist es üblich!! Hinter mir saßen noch weitere sieben Personen; vier auf der Rückbank und drei weitere Personen auf der im Kofferraum untergebrachten zweiten Rückbank. Natürlich handelte es sich bei dem Fahrzeug um einen Kombi, hier ein Renault.

Die Fahrt war interessant, haben wir doch mehrere Male Stops eingelegt; zum Beten: “ Grande, you don´t pray?“ war die Frage, als ich mich nicht in den Sand geschmissen habe um Allah anzubeten. Auch haben wir zwei Mal Gegenstände wie einen Gartenschlauch und einen Gasbrenner in der Wüste abgestellt. Da halten wir einfach in der Wüste an, legen die Gegenstände ab und fahren weiter. Irgendwann wird wohl mal jemand kommen und die Gegenstände abholen.

Nach einer mir sehr lang vorkommenden Fahrt, auf der wie mindestens acht Mal von der Polizei kontrolliert wurden und ich jedes Mal meinen Pass vorzeigen mußte, sind wir dann wohlbehalten gegen Abend in Nouakchott angekommen. Für mich leider zu spät, wollte ich doch sehr aktiv am Fest in der Mission teilnehmen. So konnte ich nur noch etwas essen, wenige Gepräche führen und dann mithelfen beim Aufräumen.

. . . Anita war der Chef im Ring, hatte sie doch alles im Griff  😉

Gesungen haben mehrere Chöre, begleitet durch professionelle Technik!

. . . getanzt wurde auch. Ich habe mir sagen lassen, dass der Bischof den Tanz eröffnet hat, leider konnte ich dies im Bild nicht festhalten

 

Dies war der vorerst letzte Abend in Mauretanien, ich nehme an es werden noch einige folgen, Frage ist nur wann.

Mein Fazit der Fahrt; es hat sich für mich sehr gelohnt! Ich habe gesehen, was aus dem Rohbau Gemeinschaftszentrum geworden ist. Für die Menschen dort ist dieses Gebäude goldwert, öffnet sich doch für sie ein wenig das Tor zur ´besseren´ Welt, zu einer anderen Welt. Natürlich ist die Frage, was ist eine bessere Welt, das zu entscheiden aber ist den Menschen jetzt näher als vor fünf Jahren. Die Menschen, die dies möglich gemacht haben dadurch dass sie dieses Zentrum realisiert haben können stolz auf sich sein; super Sache! Die Menschen haben Hoffnung, nicht umbedingt auf ein Leben in einem anderen Land, aber auf ein Leben in besseren Verhältnissen.

Euch eine schöne Zeit,

Rainer.

 

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